Video, ein zeitraubendes Hobby
Feb 5th, 2008 von H.J.Wevers
Hallo ihr Lieben
Im Moment bleibt mir nichts anderes, als euch weiter zu vertrösten. Leider habe ich aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen zur Zeit nicht die Muße und Zeit, einen neuen Clip zur 2. Etappe zu erstellen. Es braucht immer einen ganzen Tag und das geht nur am Wochenende. Tja ich hatte mir doch vorgenommen, jetzt jeden Monat eine Etappe zu besprechen. Ich glaube daraus wird nichts.
Vielleicht beteiligt ihr euch auch mit Beiträgen allgemein zum Trampen oder auch zu der Sendung und lasst euch nicht nur von mir versorgen. Ich mache das sehr gerne und freue mich auch über jeden Beitrag der von euch kommt.
Übrigens könnt ihr über GoogleVideo ganze Etappen auch von anderen Peking Express Abenteuer finden und euch anschauen. Da gibt es einiges anzusehen, für alle, die das Format mögen.
So jetzt muss ich noch etwas für die Praxis machen. Bis bald wieder
Hans Jörgen
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Also, ich schreibe dann mal kurz (aus dem Gedächtnis) unsere Erlebnisse der zweiten Etappe – damit ihr etwas zu Lesen habt, bis Hans-Jörgen wieder in die Gänge kommt!
))
Gute Besserung, natürlich, und wir sehen uns ja hoffentlich bald in Dahab!
Los geht´s!
Nach einer kalten und ungemütlichen Übernachtung, mit gegenseitigem “Beschnuppern” der Teilnehmer im Zeltcamp am Ufer der Wolga, ging es am nächsten Morgen mit der zweiten Etappe los. Einige waren so mutig und verwegen (und kälteresistend!) noch ein morgentliches Bad in der Wolga zu nehmen, dann wurden wir so gegen 7:00 Uhr zusammengetrommelt und in Reihe aufgestellt. Patrice sagte seine Sprüchlein auf und dann wurden wir zu einem wartenden Helikopter gefahren, der uns in drei Gruppen mitten in der Pampa absetzen würde. Eva und ich waren in der zweiten 3er-Gruppe zusammen mit den Mädels und Meik/Susanne. Während des Fluges waren fast alle damit beschäftigt, durch die kleinen Fenster des Helis so gut es eben ging, mit Hilfe der Etappenkarte in etwa unsere Position zu bestimmen, um eine grobe Vorstellung zu haben, wo man uns absetzen würde. Das hat mittels Landmarkierungen (Flüsse, Seen, Strassen usw.) auch tatsächlich einigermaßen funktioniert. Eva und ich berieten unser heutiges Vorgehen. Es gab zwischen Kazan und Ufa ein wahres Spinnennetz von Strassen auf einer südlichen Route, und einen etwas längeren Weg mit einer Hauptstrasse auf einer nördlichen Route. Obwohl es südlich kürzer war, entschieden wir uns für die Nordroute. In dem Spinnennetz von Autobahnen der Südroute bestand die Gefahr, ständig das Auto wechseln zu müssen, da es sehr viele verschiedene Abzweigungen gab, und man wohl kaum ein Fahrzeug erwischen, daß zufällig genau unseren Weg nehmen würde. Autowechsel bedeutete jedoch immer Zeitverlust! Nördlich gab es nur die eine Strasse, so daß jedes Fahrzeug zumindest in unsere Richtung fahren würde – es blieb dann nur die Frage, wie weit.
So flogen wir dahin und landeten nach etwa 30 Minuten an unserem Absetzplatz. Weit und breit keine Ortschaft, mitten in den ewigen Kornfeldern, keine Strasse in Sicht, nur ein Feldweg, der irgendwohin führte. Wie weit die nächste Strasse entfernt war und wo genau man nun lang musste – keine Ahnung! Überhaupt: woher hier ein Fahrzeug nehmen?
Ich steig zufällig als letzter aus dem Heli, stand somit erhöht auf der Treppe über den anderen und konnte über die hier bereits auf uns wartenden Teamfahrzeuge hinwegsehen, als ich in der Ferne ein weißes Auto näher kommen sah. Wahrscheinlich ein Bauer aus der Umgebung, der, durch den Heli neugierig geworden, mal nachsehen wollte, was denn hier los sei. Außer mir konnte es keiner sehen, da es von den drei Teamfahrzeugen verdeckt wurde. Hmm…,da bot sich eine Chance – wenn ich schnell genug sein würde. Ich schlug mich mal eben „in die Büsche“, so als ob ich ein Geschäft zu erledigen hätte, und ging um die Teamfahrzeuge herum, zu dem inzwischen dort ankommenden weißen Wolga. Die anderen Teams, Eva und die Kameramänner, Reporter und der ganze „Rest“ waren noch damit beschäftigt, dem abfliegenden Heli nachzusehen, sich langsam umzuschauen, erste Bilder zu filmen usw. Ich sprach den Fahrer an, ob er uns bis zur nächsten Hauptstrasse mitnehmen könne. Er sagte, das sei kein Problem. Also ging ich um die Teamfahrzeuge herum wieder zuurück und fragte unser Begleitteam, ob wir losmarschieren dürften. „Klar“, sagten sie, das Rennen sei eröffnet und wir könnten jetzt machen, was wir wollen. Ich zog Eva beiseite und sagte nur „komm mal mit!“. Mit unserem Kameramann im Schlepptau gingen wir wieder um die parkenden Teamautos herum – und dann wurden dessen Augen groß, als dort plötzlich ein Auto stand, in das wir unsere Rucksäcke packten und einstiegen. Die anderen Teams waren überrascht bis angesäuert, daß wir als einzige plötzlich in einem Auto saßen und losdüsten…
Albert, unser Fahrer, brachte uns dann bis zur nächsten Hauptstrasse, wo wir relativ rasch ein Fahrzeug bekamen, daß uns nach Norden, zurück auf die M7 oder M5 oder M55 oder so (keine Ahnung mehr, wie die genaue Bezeichnung war) brachte. Dabei bemerkten wir, daß der Fahrer noch extra für uns einen erheblichen Umweg fuhr, um uns bis zur maßgeblichen Kreuzung zu bringen. Wir erwischten noch einen Kurztrip mit einem Lada und einen ebenso kurzen mit einem LKW – als wir plötzlich vor einer Strassensperre standen! Wegen Bauarbeiten war die Hauptstrasse auf mehr als 100 Km komplett gesperrt, was weder unser Team, noch wir (natürlich) vorher wissen konnten. Unser schöner Plan war im Ar…!
Jetzt hieß es Erkundung unserer Alternativen und Neuplanung. Wir hatten zwar noch ca. 2 Stunden offizielle Trampzeit, aber wohin und vor allem wie sollten wir uns jetzt wenden. Also erst mal Infos sammeln. Direkt an der Strassensperre war ein Truckercafé. Mit einigen Brocken Russisch und Englisch erfuhren wir vom Ausmaß unseres Dilemmas. Es gab eine Alternativroute noch weiter nördlich, was aber ca. 200 Km Umweg bedeuten würde. Wir beschlossen (inzwischen war eine weitere Stunde vergangen), an diesem Tag nicht mehr weiterzutrampen, da uns ein Russe versicherte, er würde am nächsten Morgen genau diese Route bis nach Ufa fahren, und uns mitnehmen. Wir sollten um Neun hier am Rasthaus sein. Schon mal vorweg: Er kam leider am nächsten Tag nicht zu unserem Treffpunkt.
Etwa 1 Km entfernt sahen wir ein Tatarendorf, und entschieden uns, dort einen Schlafplatz zu suchen. Zuvor opferten wir allerdings etwas von unserem knappen Geld, um uns in dem Truckerrestaurant eine Portion Nudel mit Sauce zu gönnen – es war das billigste Gericht auf der knappen Speisenkarte.
Nach einigen Anlaufschwierigkeiten kamen wir bei einem Tatarenehepaar unter. Er war ziemlich „dicht“ und seine Gattin hatte ein schönes blaues Auge. Man kann sich denken, was da so abging. Wir gingen noch etwas in dem Dorf spazieren, schrieben unsere Tagebücher, liesen uns den kleinen Bauerhof zeigen, kuschelten mit den Kaninchen und bekamen noch ein kleines Abendessen aus Kartoffeln, Gurken und Tomaten. In einer Kammer, zusammen mit eingelagerten Äpfeln, Kartoffeln und Tomaten, breiteten wir unsere Schlafsäcke aus und gingen gegen Elf schlafen. So um halb Zwölf wurde ich mit dem Ruf „Harald, Schnaps!“ geweckt, konnte aber (ausnahmsweise), der Versuchung widerstehen.
(So, das wird jetzt wohl doch länger, und ich mache für heute mal Feierabend. Fortsetzung folgt…)
So, ich mach´ dann mal weiter…
Eines vorweg: entgegen der bei RTL gemachten Aussage, war dies in Wahrheit eine 4-Tage-, und keine 3-Tage-Etappe!
Am nächsten Morgen hatten wir ein längeres Interview auf dem Programm (wie jeden Tag), bevor es wieder losging. Wir waren um Neun am Rasthaus, aber der Russe kam leider nicht. Auf der Etappenkarte hatten wir uns die Strecke mit dem Riesenumweg angesehen und waren nicht wirklich optimistisch eingestellt. Wir bekamen einen Kurzlift für etwa 5 oder 10 Kilometer, dann standen wir wieder am Strassenrand. Kurz darauf fuhr ein Bus vorbei, mit der Zielaufschrift “Ufa”. Wir hielten ihn an und fragten, ob man uns auch ohne Bezahlung mitnehmen würde. Das Problem mit Bussen war allerdings, daß sie zwar weite Strecken überbrücken, aber erstens sehr langsam sind (uralte “Gurken”) und zweitens an jedem kleinen Weiler anhalten und auch schon mal längere Pausen einlegen. Aber besser langsam gefahren, als dauernd am Strassenrand gestanden…
Wir fuhren dann so etwa 50 Km mit, bis wir zu einer Art Busbahnhof in einer etwas größeren Stadt (naja, Städtchen) kamen. Dort gab es erstmal Probleme mit einem “Offiziellen” der Busgesellschaft, der uns ohne Bezahlung nicht weiter mitnehmen wollte. Nachdem wir das mit viel Bitten und Betteln geklärt hatten, sprang der Motor nicht mehr an und ein Mechaniker begann eine Reparatur. Das schien sich hinzuziehen. Dann sahen wir auch noch ein anderes Team, welches an uns vorbeifuhr. Noch jemand, der die Nordroute gewählt hatte und jetzt den Umweg machen musste.
Wir entschieden uns, eine andere, schnellere Fortbewegungsart zu finden – also hinstellen und Autos anhalten…
Plötzlich kamen fünf nagelneue Busse an uns vorbeigerauscht. Der letzte hielt an! Es saß nur ein Fahrer drin, der uns erzählte, man sei auf einer Überführungsfahrt vom Werk nach Kasachstan und er könne uns problemlos bis Ufa mitnehmen – ihm sei sowieso langweilig so alleine im Bus. Hurra! Das hieß, daß wir jetzt in einem neuen, schnellen Bus, der nirgendwo anhalten würde, hunderte von Kilometern mitfahren konnten! Das ging auch eine Weile recht gut, wir teilten uns Kekse und Tee, bis unser Teamfahrzeug, welches immer hinterher fuhr, plötzlich verschwunden war. Es gab die klare Anweisung, daß es die Verantwortung der Kandidaten sein, stets darauf zu achten, daß das Begleitfahrzeug immer hinter dem Trampfahrzeug mitkommen würde. Sollte man es verlieren, hatte man unverzüglich anzuhalten, auszusteigen, und zu warten, bis es erschien. Sollte es nicht kommen (Unfall, Verfahren oder sonstiges – kann ja passieren), gab es für Notfälle ein versiegeltes Iridium-Sat-Telefon bei jedem Team, welches dann, und nur dann, benutzt werden durfte, um weitere Instruktionen einzuholen. Aus Sicherheitsgründen war es untersagt, komplett alleine zu trampen, ohne zumindest lockere Überwachung durch das Begleitteam. Wir befürchteten natürlich, daß unser freundlicher Busfahrer nicht warten würde, bis unser Begleitfahrzeug irgendwann wieder auftaucht. Aber er war super nett: Er lies seine vier Kollegen davonziehen, sagte, er müsse jetzt sowieso mal Pause machen und wartete mit uns. Julia, unsere begleitende Kamerafrau war mit im Bus gewesen, und machte sich gerade bereit (so nach 30, 35 Minuten), das Telefon zusammenzubauen (was ihr und uns aber nicht gelang!), als plötzlich unser Begleitfahrzueg am Horizont zu sehen war. Wir machten uns bemerkbar und erfuhren, nachdem es bei uns gestoppt hatte, daß man “verhaftet” worden war, nachdem beim Versuch am Bus dranzubleiben, im Überholverbot überholt worden war – dummerweise direkt vor den Augen eines am Strassenrand versteckten Polizeiautos…
Nach etwas Diskussion und einigen “Geschenken” an die Polizisten, durfte man dann weiterfahren.
Wir stiegen wieder in den Bus ein und düsten erneut los. Ein paar Stunden später, kurz vor Ufa, machte ich dann einen Riesenfehler! Ich war überzeugt, anhand es Strassenverlauf und der Etappen-Strassenkarte, daß wir in die verkehrte Richtung unterwegs seien. Da der Fahrer nur ein paar Brocken Englisch sprach, und ich nur ein paar Worte Russisch, konnte ich nicht verstehen, was er zu erklären versuchte. Ich bestand darauf, an einer großen Strassenkreuzung auszusteigen. Das ich komplett falsch lag, erfuhren wir, als endlich ein englichsprechender Fahrer eines vorbeikommenden Autos uns die genaue Richtung, bzw. den exakten Strassenverlauf erklärte. Insgesamt verloren wir ca. 1 Stunde, bis wir wieder unterwegs waren. Dumm gelaufen…
An einer Autobahnauffahrt sahen wir dann Klaus und Norbert vor uns stehen. Sie standen auf der Standspur der Autobahn, was ich nicht für besonders klug hielt. Dort würde nur ungern jemand anhalten. Wir positionierten uns hingegen unten an der Auffahrt, wo wir auch recht schnell mitgenommen wurden und an den beiden vorbeifuhren. Wahrscheinlich waren sie es gewesen, die uns Stunden vorher am Busbahnhof überholt hatten.
Wir fuhren noch ca. 1 Stunde oder etwas mehr, bis uns unser Fahrer klarmachte, er würde jetzt hier (bei einem kleinen Dörfchen) abbiegen. Also stiegen wir aus um ein neues Fahrzeug zu finden. Es war ja erst 18:00 Uhr, und wir durften an diesem Tag bis 20:00 Uhr trampen. Aber, weit gefehlt! Unser begleitender Reporter, Sascha, sagte plötzlich: “Überraschung! Trampstopp!” Wir guckten etwas irritiert, waren aber schlau genug, einen Passanten nach der Uhrzeit zu fragen. Siehe da – wir hatten Zeitzonen überschritten, und es war tatsächlich dort, wo wir jetzt waren, schon 20:00 Uhr!
Wir marschierten die etwa 2Km ins nächste Dörfchen, wo wir recht schnell einen Schlafplatz fanden. Dort war eine landwirtschaftliche Schule im Bau, deren Studententrakt fast fertiggestellt war. Die nebenan wohnende Hausmeisterin (oder was immer sie war), erlaubte uns, in einem der bereits fertigen Zimmer zu übernachten. Außerdem durften wir ihre Banja (russische Sauna) benutzen, wo wir uns genüßlich reinigten und unsere Wäsche wuschen. Abendessen mussten wir selber machen, aber wir hatten unterwegs in einem “Magazin” (so heißen die russischen, kleinen Geschäftchen), eine billige Dose ravioliähnliches Zeugs für solche Notfälle gekauft. Da in der halbfertigen Küche eine schon angeschlossen elektrische Heizplatte stand, wärmten wir die Dose dort auf (da wir keinen Dosenöffner hatten, war das Öffnen ein komplizierter Akt) und löffelten die “Substanz” im Schulhof sitzend direkt aus der Dose. Einen Teil davon teilten wir uns mit einem freundlichen, abgemagerten Hund…
Wir gingen recht früh Schlafen und hofften, am nächsten Tag gut weiterzukommen. Uns allen war ein Umweg durch die Pampa auferlegt worden. Die direkte Route von Ufa nach Miass wäre anscheinend zu einfach gewesen. Jetzt mussten wir versuchen, in Miass unter den ersten Drei zu sein, um am nächsten Tag am Spiel teilnehmen zu dürfen. Wir hatten absolut keine Ahnung, auf welcher Position wir lagen, da wir außer Klaus und Norbert kein anderes Team gesehen hatten, und auch nicht wissen konnten, wer welche Route gewählt hatte und wie die anderen vorwärtsgekommen waren. Das Spiel und das Rennen machten uns von Tag zu Tag mehr Spaß! Wir lernten nette Leute kennen, mussten pfiffig und geschickt möglichst schnell vorankommen und hatten supertolle Erlebnisse. Wir wussten, daß wir eine tolle Zeit haben würden! Wir sahen “Peking Express” auch als persönliche Herausforderung. Wir kämpften weniger gegen die anderen Teams. An die dachten wir eigentlich eher selten, wir wollten uns selber antreiben und herausfinden, wie schnell man von A nach B kommen konnte. Jedenfalls fanden wir alles nur toll und aufregend! Und es hatte ja eigentlich gerade erst begonnen…
So, morsche geht´s weiter…
Danke Harald für deine Schilderungen. Auch von dir sehr interessant.
Jetzt Tag 3 der zweiten Etappe:
Am Morgen mussten wir ohne Frühstück auskommen, die immer noch vom abendlichen Waschen feuchten Kleidungsstücke wurden irgendwie eingepackt und wir marschierten zurück an die Hauptstrasse. Wir erwischten schnell das erste Auto des Tages und begannen, uns nach Miass durchzuschlagen, wo ein Bonusspiel stattfinden würde, an dem allerdings nur die ersten drei Teams teilnehmen durften.
Ich habe keine genaue Erinnerung mehr an die Abfolge der Autos, aber es waren viele. Woran ich mich noch erinnere, ist, daß wir unterwegs einmal überholt wurden (ich weiß nicht mehr, von wem) und auch einmal ein anderes Team überholten. Jedenfalls war es eine Abfolge vieler ziemlich kurzer Abschnitte in verschiedenen Autos, teilweise nur für jeweils 5 oder 10 Km. Es ging ziemlich zäh vorwärts. Einmal war auch ein langsamer LKW darunter, einmal ein älteres Ehepaar. Irgendwie kamen wir jedoch immer vorwärts und standen nie irgendwo wirklich lange am Strassenrand. Ohne unser Tagebuch kann ich die Einzelheiten leider nicht mehr aus dem Gedächtnis rekonstruieren. Jedenfalls kamen wir schlußendlich in Miass an und fanden auch schnell das Automobilmuseum. Eva und ich rannten hinein. Auf einer Treppe hoch in den ersten Stock blieb Eva stehen um einen offenen Schnürsenkel zuzumachen. Irgendwie hatte ich ein seltsames gefühl dabei und sagte zu ihr, sie solle das später machen und nicht jetzt. Mit einem offenen Schuh ging sie weiter und wir fanden dann den Checkpoint – und nur 30 Sekunden später kamen Stefan und Steffen an! Hätte Eva sich die Trekkingschuhe neu verschnürt, was doch eine gewisse Zeit dauert, wer weiß ob wir nicht auf dem letzten Meter noch abgefangen worden wären. Wir waren als Dritte angekommen und durften am Soiel teilnehmen.
Es ging hinaus auf das Testgelände der URAL-Truck Company, wo ein Rundkurs abgesteckt worden war. Nchdem die Teilnehmer der holländisch/belgischen Staffel im Vorjahr zwei nagelneue LKWs komplett geschrottet hatten, war das Spiel bei uns anders. Die Holländer mussten noch einen extremen Abhang runterfahren und wurden von Testfahrern der Firma bewertet. Dabei gab´s Achsbrüche und irre Schäden an den Fahrzeugen. Diesmal hatte man sich hingegen für ein 3-Runden-Rennen entschieden, wobei gegen Ende nur ein kleiner Abhang zu bewältigen war. Es war tatsächlich der Kurs, auf dem die LKWs getestet wurden und kein Strassenkurs. Sand, Geröll, Schlamm, Steine und alles, was man so bei einem geländegängigen Truck testen will…
Jeder der Fahrer aus den drei Teams durfte zunächst auf dem Beifahrersitz Platz nehmen und einem Testfahrer bei einer Demorunde zusehen. Dann durfte man selber EINE Runde drehen, um den LKW kennenzulernen. Kein synchronisiertes Getriebe, keine Servolenkung – dafür aber Dreipunktgurte! Die Holländer hatte es bei einem der Unfälle ganz ordentlich durchgeschüttelt und einer hatte sich die Schulter dabei verrenkt. Nun wollte man kein Risiko eingehen. So ganz ungefährlich war es wohl nicht, uns unerfahrene “Testfahrer” mit diesen Maschinen in ein Rennen zu schicken.
Marc, als professioneller Stuntman, war sich wohl ziemlich sicher, mit seiner Erfahrung in verschiedenen Fahrzeugen und unter extremen Bedingungen einen Vorteil zu haben und das Rennen zu gewinnen. Der Preis war ein sehr großer Vorsprung, der fast schon Entscheidend für den Ausgang der Etappe sein würde. Zunächst musste man, nach den Startsignal, rückwärts mit allen Rädern über einen dicken Baumstamm fahren, den Beifahrer (Teampartner) Zusteigen lassen und dann auf das Rennen über drei Runden gehen. In der letzten Runde musste man rechts nach innen abbiegen, kurz anhalten und im ersten Gang (dies war so ausdrücklich vorgeschrieben worden!) einen steilen Abhang hinunterfahren. Dort musste zunächst der Motor abgeschaltet werden, erst dann durfte man aussteigen und musste eine in jedem Truck liegende Fahne in einen Autoreifen stecken. Wer seine Fahne zuerst dort drin hatte, war der Sieger.
Patrice gab den Countdown und es ging los!
Ich bretterte rückwärts über den Baumstamm, wobei es mir völlig Wurscht war, ob an dem LKW alles heil blieb. War ja nicht meiner…
Eva sprang rein, schnallte sich an und los ging die wilde Hatz. Mir war klar, daß Überholen bei gleichwertigen Fahrzeugen und dem recht engen Kurs schwierig sein dürfte. Also machte ich den „Montoya“: Voll neben den anderen LKWs in die erste Kurve reinhalten und hoffen, daß die anderen zuerst die Nerven verlieren und zurückziehen. Während wir auf die erste Kurve zudonnerten fiel Marc plötzlich zurück. Wie wir später erfuhren, hatte er sich verschaltet. Neben mir fuhren die Mädels, aber ich blieb voll auf dem Gas, schlitterte scharf rechts in die erste Kurve, brachte den Monstertruck tatsächlich ins Schleudern, riß rechts eine Streckenbegrenzung ab und musste froh sein, nicht seitlich die Böschung runterzukugeln. Drei- oder viermal wild hin- und herschwenkend, wie ein Wilder am Lenkrad kurbelnd um das Ding wieder zu stabilisieren, setzte ich mich vor Pia und Janine und nahm mir vor: „An uns vorbei? Nur über meine Leiche!“
Schließlich hatte ich als Formel-1-Fan einen Ruf zu verlierenn. Der nächste Schumi war geboren – ich hatte einen Riesenspaß! Gerne wäre ich länger gefahren, aber die drei Runden gingen schnell vorbei. Inzwischen lag Marc hinter uns. Er hatte es geschafft, die Mädels zu überholen. Jetzt wurden wir abgewinkt, bogen nach rechts ab, hielten kurz an, den ersten Gang rein, den Abhang runtergekracht, Motor aus – Sch…, ich hatte mich im Gurt verfangen! Eva war schon draussen, Marc parkte gerade neben uns, und Eva schrie: „Los, komm endlich!“. Ich fiel halb aus dem LKW, rannte mit Eva zu Patrice und dem Autoreifen, gab meinem Schatz noch einen kräftigen Schubs in den Rücken, der sie fast in den Reifen warf – und sie steckte unsere Fahne nur 1 oder 2 Sekunden vor Anja in den Sand! Gewonnen! Sieger des Grand Prix von Miass! Held der Piste! Wo war mein Vertrag bei Ferrari?
Es gab leider keinen Formel 1 Vertrag, aber eine Fahrt über ca. 180 Km in einem alten URAL-Bus nach Nijasnepetrovsk, auf halbem Weg zum Etappenziel Jekaterinburg. Das war ein Riesenvorsprung – theoretisch! Leider war die Kiste sehr, sehr lahm, und die anderen durften ja inzwischen weitertrampen. Wenn sie ein schnelles, weit fahrendes Auto erwischten, dann würde der Vorsprung ziemlich schrumpfen. Ich weiß allerdings nicht, wie lange nach unserer Abfahrt mit dem Weitertrampen gewartet werden musste. Vielleicht kann ja Hans-Jörgen dazu mal kurz was schreiben.
Die Fahrt dauerte Stunden. Ich schlief ein wenig, wir aßen eine Kleinigkeit, wir hatten etwas Obst in den Bus gelegt bekommen, und erreichten Nijasnepetrovsk um 22:00Uhr bei strömendem Regen. Die Schlafplatzsuche gestaltete sich schwierig. Niemand wollte so spät noch die Tür öffnen. Einige Jugendliche zeigten uns ein heruntergekommenes Hotel, in dem wir nach langem hin- und her ein Zimmer erbetteln konnten. Erst wollte man nicht, dann hatte man aber wohl Mitleid mit uns. Vielleicht half es ja auch, daß unser Begleitteam dort ebenfalls (allerdings gegen Bezahlung) Zimmer nahm…
Wir wollten noch etwas Essen gehen. Nebenan war eine Mischung aus Disko und Restaurant, wohin wir uns begaben. Unser Kameramann kam zu uns und sagte, man habe für uns einen Bodyguard organisiert, da sich vor der Disko eine Horde schwer betrunkener Jugendlicher herumtreiben würde. Wir sollten keinesfalls alleine zurück zum Hotel gehen, sondern nur in seiner Begleitung. Wir hielten das zwar für Übertrieben, schließlich waren das die gleichen Jugendlichen, wenn auch inzwischen ziemlich abgefüllt, die uns zum Hotel geführt hatten, aber, wenn´s das Team beruhigt…
Der Kameramann verschwand und wir saßen alleine im Restaurant mit unserem Bodyguard und einigen übermäßig geschminkten Dorfschönheiten. Die Glitzerkugel an der Decke dreht sich, Diskomusik dröhnte, unser Bodyguard gab uns einen Wodka aus (was er bestimmt nicht durfte!) und wir bestellten Nudeln – wie immer das billigste Gericht auf der Karte. Kostete 9 Rubel oder so (ca. 25 Cent). Die nette Bedienung fragte uns, ob wir ein Schnitzelchen dazu haben möchten und wir sagten begeistert „Ja“. Wir hätten besser fragen sollen, ob und was das kostet. Aber wir waren so übermüdet, daß wir einfach nicht nachdachten. Es war superlecker – und dann kam die Rechnung: Die „Schnitzelchen“ kosteten zusammen über 100 Rubel! Soviel hatten wir überhaupt nicht. Wir machten die Situation klar, soweit das mit den wenigen Brocken Russisch unsererseits und einigen Worten Englisch seitens der Bedienung ging. Schließlich schenkte man uns das Fleisch – und noch einen Wodka dazu. Unser Bodyguard brachte uns ins Hotel. Es waren überhaupt keine Jugendlichen auf der Strasse zu sehen. Aber als Racing-Star kann man ja ruhig mal mit Bodyguard über die Strasse laufen!
Wir schliefen schnell ein, es dürfte inzwischen nach Mitternacht geworden sein, und freuten uns auf den nächsten Tag. Diese Etappe konnten wir eigentlich ja nicht mehr verlieren – dachten wir…
Der vierte und letzte Tag:
Am letzten Tag der Etappe war der Trampstart für 9:00 Uhr angesetzt. Bereits am Vorabend war uns eine Regeländerung mitgeteilt worden. Bisher durfte man die gefundene Unterkunft so zeitig verlassen, daß man pünktlich zum offiziellen Start am Strassenrand stehen konnte. In Zukunft durfte man erst zum Startzeitpunkt die Unterkunft verlassen und zur Strasse laufen. Das bedeutete, daß zukünftig die Wahl der Unterkunft noch wichtiger sein würde. Lag sie weit von der Strasse entfernt, würde man wertvolle Zeit verlieren, bis man ein Auto anhalten konnte. Eine halbe Stunde Marsch bis zu Strasse konnte sich in ca. 50 Kilometer Rückstand verwandeln, wenn ein anderes Team direkt an der Strasse übernachtete und sofort ein Auto fand.
Wir verbrachten die Zeit bis 9:00 Uhr damit, in einem Magazin neben dem Hotel noch ein paar billige Kekse zu kaufen und mit Wasser als Frühstück zu “geniessen”. Endlich wurde es Neun und wir marschierten los. Bis zum Ortsausgang, wo die beste Chance bestand ein Fahrzeug anhalten zu können, liefen wir ca. 20 Minuten, so daß wir gegen halb Zehn ernsthaft mit Trampen beginnen konnten. Eine weitere Schwierigkeit bestand darin, daß es von Nijasnepetrovsk nach Jekaterinburg eine Vielzahl von Strassen und Sträßchen gab. Welche man nahm, war mehr oder weniger dem Zufall überlassen, bzw, hing von dem Auto ab, welches man anhielt. Das machte es aber auch Unmöglich, zu bemerken, ob ein anderes Team auf einer anderen Strasse vielleicht gerade die Führung übernahm.
Auch dieser Tag begann recht zäh. Wir fanden zwar schnell ein Auto, welches uns ein paar Kilometer mitnahm, aber es schien wieder so zu sein, das die ganze Restetappe zum “Stückwerk” werden würde. Ein Auto zu finden, das bis zum Etappenziel fahren würde, schien nicht möglich. Nach einem weiteren Kurztrip standen wir am Strassenrand, als bei unserem Team Hektik ausbrach. Wir bemerkten, wie heftige Telefonate mit der Produktionsleitung geführt wurden, wie man die Köpfe zusammensteckte und über irgendetwas beriet, wie man nochmal telefonierte und über irgendetwas sehr aufgeregt war. Nach einiger Zeit kam Sascha, der begleitende Reporter, zu uns. Sasche gehörte zu denjenigen, die sich sehr streng an die Anweisung “Dont´talk to the contestents!” hielt. Er achtete immer darauf, daß sich keine Bindung zwischen Begleitung und Kandidaten entwickeln konnte, daß man völlig neutral und unparteiisch war, daß es keine Bevorzugung oder Benachteiligung, keine Behinderung oder Hilfestellung seitens des begletiteam gab. Unso mehr überraschte uns seine Ansage, sofort ins Teamauto zu steigen. Man würde uns 50 Km weiter fahren! Eine Begründung hierfür gab es nicht. Es gab überhaupt keine weitere Aussagen und wir fingen natürlich an zu spekulieren. Irgendetwas musste schief gelaufen sein – soviel stand fest. Hatte man vielleicht entschieden, aus Zeitgründen die anderen Teams auf dem direkten Weg von Miass nach Jekaterinburg zu schicken, ohne den Umweg über Nijasnepetrovsk? Waren wir vielleicht die einzigen, die jetzt diesen Umweg machen mussten? War irgend etwas passiert?
Niemand gab uns eine Erklärung. Wir erfuhren erst später, was sich tatsächlich abgespielt hatte: Am Abend vorher war von der Produktion entschieden worden, den Trampstart um eine Stunde vorzuverlegen, um den Team ausreichend Zeit zu geben, das Ziel zu erreichen. Daraufhin hatte die Produktionsleitung alle Teams telefonisch darüber informiert – alle, ausser unser Team! Niemand hatte unsere Begleiter angerufen, und somit waren wir tatsächlich eine Stunde später gestartet, als alle anderen. Da durch den langsamen Bus am Vortag und den schnell aufschliessenden Kandidatenteams in angehaltenen Autos unser gewonnener, ach so großer Vorsprung sowieso schon stark geschrumpft war, bestand natürlich die Gefahr, daß wir durch dieses Versäumnis bereits jetzt zurückgefallen waren. Nun versuchte man, dies dadurch wieder auszugleichen, daß man uns 50 Km weiterbrachte. 50 Km entsprachen zwar nur etwa 30 bis 40 Minuten tatsächlicher Fahrzeit in einem PKW, aber wahrscheinlich rechnete man auch noch eine theoretische „Standzeit“ ein und kam so auf diese Zahl. Wie auch immer. Wir waren verdutzt, stiegen ein, und wurden exakt 50 Km weiter wieder ausgeladen. Mitten im Nirgendwo, was die Sache nun auch nicht wirklich erleichterte. Wir hatten große Probleme, von dort weiterzukommen und verloren viel Zeit. Dann gelang es uns, einige Zeit in einem langsamen LKW mitzufahren, und danach nahm uns ein Taxifahrer mit, der sich bereiterklärte, uns bis zum Etappenziel zu fahren. Um es kurz zu mache – wir kamen tatsächlich als erste an, knapp vor Hans-Jörgen und Eva. Man parkte uns in einem Vorraum eines Büros, wo Eva völlig erschöpft auf dem Sofa einschlief. Ich schlich mich heimlich raus (was eigentlich verboten war) um in einem kleine Laden etwas zum Essen und Trinken zu besorgen. Niemand kümmerte sich um uns. Wir warteten einige Stunden, bis schließlich alle Teams eingetroffen waren. Dann ging es zum Filmen des Rankings.
Wir wurden in einen Raum gesetzt, Patrice laberte seinen Sermon herunter und erst jetzt erfuhren die anderen Teams, wie sie abgeschnitten hatten.
Wir lagen zusammen mit Marc und Anja in der Gesamtwertung auf dem ersten Platz. Das bedeutete eigentlich schon, daß wir unserem großen Ziel, dem Baikalsee, ein ganzes Stück näher gekommen waren. Kim und Nadine hatten überraschend aufgegeben, was Klaus und Norbert vor dem Aussscheiden rettete. Bis zum Baikalsee würde es nur noch zwei Ausscheidungsetappen geben. Durch unseren Punktevorsprung vor den beiden letztplatzierten Teams, war es fast unmöglich, daß es uns auf diesen beiden Etappen treffen würde. Wir würden schon auf jeder der vier folgenden Etappen Letzte sein müssen, und die drei Letztplatzierten müssten sich ständig wechselnd die ersten drei Plätze teilen. Diese Kombination erschien uns relativ unwahrscheinlich, da es für den letzten Platz jetzt zwei Punkte, und nach dem Ausscheiden eines weiteren Team sogar 3 Punkte, während es für den ersten Platz weiterhin nur 8 Punkte geben würde. Es erwies sich, daß es rechnerisch besonders auf den beiden ersten Etappen äußerst wichtig war, nicht hinten zu landen, da man dies nur sehr schwer auf den Folgeetappen ausgleichen konnte.
Als wir in unserem Zeltcamp auf einer malerischen Wiese an einem kleine See waren, war es sogar noch hell, etwas, was sich als Ausnahme herausstellen sollte. Wir entzündeten ein Lagerfeuer, einige wuschen noch Wäsche, andere bereiteten ein Essen aus all dem vor, was sich in den Rucksäcken der Teams finden lies, man saß anschließend zusammen am Lagerfeuer und es wurde eigentlich ein recht schöner Abend. Soweit ich mich erinnere war es nach Mitternacht, bis der Letzte in den Schlafsack kroch. Die Temperaturen waren wieder stark gefallen; es war knapp über Null. Die erste Woche „Peking Express“ war geschafft und es kehrte so etwas wie Routine ein. Man wusste, mit wem man „konnte“ und wer einem weniger sympathisch war. Andererseits sah man die anderen Teams i.d.R. ja doch nur am Etappenziel, und es spielte eigentlich keine große Rolle, wie man mit wem auskam. Auch da wurden wir auf einer späteren Etappe deutlich eines Besseren belehrt…