3.Tag Etappenabschluss in Kazan
Nov 27th, 2007 von H.J.Wevers
Um 22 Uhr 30 waren Hans Jörgen und Eva endlich mit ihrem Team in Kazan. Hier kam es zum ersten Etappenabschluss mit Verteilen der ersten Punkte für die Rally. Noch wussten sie nicht, auf welchen Platz sie gelandet waren. Sie sollen es wie auch im weiteren auf der Fahrt auch erst beim sogenannten Ranking erfahren. Deshalb durften die Teilnehmer auch vorher keinen Kontakt miteinander haben. Das war diesmal nicht problematisch, weil ja die meisten sowieso mit dem Teamwagen reingeholt wurden.
Vorletzter Platz, war nicht so berauschend, damit war Peking kaum noch möglich, dazu hätte sie einen Mittelplatz haben müssen. Auf jeden Fall hatte Hans Jörgen und Eva die Mongolei angepeilt und da mussten sie sich schon etwas mehr ins Zeug legen. Jetzt war erst mal ausruhen und sondieren der Lage angesagt.

Nach der ernüchternden Platzierung kam an diesem Abend aber noch die Zusicherung, dass alle einen Schlafsack für jede Übernachtung bekommen. Das beruhigte Hans Jörgen wieder ein ganzes Stück. Mit Schlafsack konnte man eben überall schlafen. Damit die Freude aber nicht zu groß wurde, hieß es, dass der Schlafsack selber getragen werden musste. Toll, zu dem ohne hin schweren Rucksack von 19 Kilo kamen jetzt noch 3 Kilo Schlafsack dazu.
Es war schon nach Mitternacht, als alle Teilnehmer an einem Flussufer mit der Sicht auf die erleuchtete Burg in einem Zelt-Camp ausgeladen wurden. Die Zelte waren schon aufgebaut und jedes Paar brauchte nur noch hinein und schlafen.
Hans Jörgen war von der Fahrerei und dem wenigen Schlaf bisher auch ziemlich müde. Die Aussicht jetzt auf dem harten Boden, auf einer dünnen Isomatte mit einem Sommerschlafsack die Nacht zu verbringen, waren nicht der Bringer des Abends. Die Zelte waren unterschiedlich groß. Einige hat einen kleinen Voreingang andere hatten da nichts.
Es war für Hans Jörgen schon sehr lange her, dass er eine Nacht in einem Zelt verbracht hatte. Es mussten mindesten 25 Jahre sein. Dementsprechend unbeholfen stellte er sich zum Leidwesen von seiner Tochter Eva auch an. Es war ja nicht so arg viel Platz, um den Rucksack auszuräumen, dennoch mussten einige Taschen nach draußen. Gut war auf jeden Fall, dass das Wetter mitspielte. Es war nicht warm, aber trocken. Die schöne Aussicht und die neue Art zu übernachten konnte Hans Jörgen nicht genießen, zu sehr war er mit der Schlafplatzorganisation beschäftigt.
Mittlerweile hatten die wesentlich jüngeren Paare sich auch schon eingerichtet und nutzen die Campingküche, um sich was Warmes zuzubereiten. Für einen Moment konnte so was wie Camper-Romantik aufkommen. Es gab einen überdachten Bereich mit einem Tisch, genügend Stühlen und Lampen. Hans Jörgen setzte sich noch einen Moment zu der illusteren Runde.
Er merkte wohl sehr schnell, das die jüngeren noch ziemlich fit waren und das ganze drum herum genossen. Es war eine Gesellschaft von Menschen, die zu einem gemeinsamen Abenteuer unterwegs war, sich aber kaum kannten. Die Unterschiede waren nicht nur vom Alter her erheblich. Noch wusste Hans Jörgen von keinem, was er beruflich und privat machte und er hatte von sich auch bisher keinem etwas erzählt. Es gab auch dazu noch keine Gelegenheit. Es war wohl schon zu merken, dass einige sich unterwegs schon getroffen hatten. Sie gingen vertraut miteinander um, so als würden sie sich schon kennen.
Für Hans Jörgen war es noch eine Ansammlung von fremden Menschen. Es war keiner für ihn dabei, gegen den er auf den ersten Blick aus irgendwelchen Gründen eine innerliche Abneigung hatte. Er merkte aber sehr schnell zu einigen eine gewisse Distanz, die sich für ihn schon aus dem erheblichen Altersunterschied ergab. Sie waren durchweg alle nett, das war ja schon mal sehr gut. Für Hans Jörgen reichte das auch. Es waren ja auch noch welche mittleren Alters mit dabei und einer war sogar um 5 Monate älter, Klaus.
Hans Jörgen war so wieso so platt, dass er mehr damit beschäftigt war, wie er gut in seinen Schlafsack kommen könnte, als mit dem, was denn da draußen gruppenmäßig abging.
Es stand die erste Nacht zusammen mit Eva in einem Zelt an, kein Problem, aber eine Premiere. Zusammen hatten sie bisher keinen Urlaub im Zelt verbracht und dazu noch in so einem kleinen Zelt. Hans Jörgen war heilfroh, als er sich in seinem Schlafsack eingedreht hatte und einschlafen konnte. An lange schlafen konnten er auch nicht denken, denn um 6 Uhr hieß es wieder, aufstehen.
zum Zeltcamp schreiben Anja und Marc
Die Nächte zwischen den Etappen verbrachten wir übrigens in sogenannten „Tentcamps“. Da am Ende jeder Etappe die Teams zusammengeführt wurden, das Ranking miteinander erlebten und man die Teams danach nicht wieder in die Nacht zum weiter Trampen hinausschickte, gab es Tentcamps die von der Produktion aufgestellt wurden. Dort hatte jedes Team ein eigenes kleines Zelt, es gab Kochmöglichkeiten (während der Etappe sparte also jedes Team Geld um sich zum Schluss, kurz vor dem Tentcamp, noch ein paar Spagetti und Ketchup oder Gemüse und Reis kaufen zu können) und man konnte sich waschen in kleinen Schüsseln. Das war schon mal sehr toll denn es blieb sonst wenig Zeit und Möglichkeiten sich selbst und vor allem Wäsche zu waschen. Man hatte dann auch Zeit sich mit anderen Teammitgliedern zu unterhalten (auch wenn wir erst spät am Abend in die Tentcamps kamen), nett beieinander zu sitzen und am Lagerfeuer Erlebnisse auszutauschen und über Ereignisse zu lachen. Aber es war sicher nicht nur romantisch bei diesen Tentcamps, oft war uns hundekalt in den Nächten in Sibirien in einem Zelt und man wurde natürlich auch mit Missstimmungen konfrontiert. Wir waren immerhin 16 bunt zusammengewürfelte Menschen, keiner kannte den anderen. Und es war ein Rennen, obgleich fast jeder wegen der Reise an sich gestartet war um seine eigenen Grenzen besser kennen zu lernen und eine andere Art des Reisen ausprobieren zu können. Natürlich wird in so einer Gruppe schnell klar wer mit wem kann, wo man bei anderen Parallelen zu sich selbst findet und einen Ruhepol geboten bekommt. Wir haben alle versucht Missverständnisse oder Meinungen frei auszutauschen, denn keiner war daran interessiert eine Big-Brother-Stimmung aufkommen zu lassen. Aber wir denken das ist nicht immer gelungen, denn jeder geht mit der Situation Kamera-TV-Rennen-andere Teams-Stress-verlieren-gewinnen anders um. Es gibt diplomatische und sehr emotionale Menschen, es wird von jedem Teilnehmer eine individuelle Facette gezeigt
Norbert meint dazu
Den selben Abend wurden wir dann , wie immer , von unserem Teambus nach Kazan gebracht . Eine schöne Stadt, muss man schon sagen . Wer nicht allzu gute Erinnerungen an diese Stadt haben dürfte , das wäre dann wohl mein Teamkollege und Freund Klaus beim Transfer vom Treffpunkt zum Schlafplatz ging mitten auf einer Kreuzung der Kofferraum unseres Bus auf, und drei Mal dürft ihr raten , wessen Rucksack raus fiel und wessen Kamera dabei kaputt ging ? Richtig ! Mehr sage ich dazu nicht. Ich musste jedenfalls ohne Ende lachen .
Dann ging es ab ins Zeltcamp . Es lag recht hübsch an irgend so einem bekackten Fluss, in dem die ganz Mutigen am nächsten Morgen schwimmen gegangen sind
Harald meinte zum Zeltcamp:
Es war nicht so, als ob wir nach der Aufzeichnung des Rankings in ein gemütliches Hotel gebracht worden wären und uns bis zum nächsten Etappenstart hätten ausruhen können. Es gab ein spartanisches Zeltcamp, mit winzigen 2-Mann-Zelten, in die nicht einmal der Rucksack mit hinein passte. Luftmatrazen gab´s auch nicht, Iso-Matten erst nach heftigen Protesten der Teilnehmer, da bei nächtlichen Temperaturen von knapp über Null ein kleiner Kälteschutz zum Boden hin notwendig war. Im Zeltcamp mussten wir dann selber kochen. Dazu musste unterwegs vom Etappengeld allerdings etwas eingekauft worden sein. Das Zeltcamp war bei keinem Teilnehmer wirklich beliebt. Lieber hätten wir uns auch an diesen Abenden einen warmen Schlafplatz mit freiem Abendessen gesucht! In der Regel waren die Teilnehmer nicht vor Mitternacht im Zeltcamp, dann mussten wir noch Kochen, Abwaschen, Wäsche waschen (musste auch ab und zu sein) und kamen meist so gegen 1 oder 2 Uhr zum Schlafen. Wecken war morgens um 6:00! Das Geld durfte angespart werden, allerdings blieb kaum etwas zum Ansparen. Bei uns ging es meist für Zigaretten drauf (20 Cent=7 Rubel/Packung)
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Toller Beitrag, Hans-Jörgen! Mir gefällt deine mittlerweile sehr ruhige, abgeklärte Erzählweise und auch die Stimmen der anderen Teilnehmer über diese Etappe sind super.
Mach weiter so!